Pressemitteilung schreiben: Das sollten Verbände im Gesundheitswesen beachten

Pressemitteilung schreiben – das klingt irgendwie steif, schwierig und nach Fachjargon von PR-Leuten? Nee, das finde ich nicht. Meine Meinung: selbst wenn euer Verband klein ist, hat er etwas zu sagen. Mit etwas Know-how und Insiderwissen könnt ihr ausgezeichnete Botschaften finden, die sich in Form einer Pressemitteilung aufschreiben lassen und vor allem zwei Dinge für euch leisten:

  • Sie sorgen dafür, dass euer Verband bekannter wird
  • Sie liefern Nachrichten für regionale und bundesweite Medien

5 Gründe, warum Verbände im Ge­sund­heits­wesen Presse­mit­teilungen schreiben sollten

  1. Sie haben eine Botschaft
    Die meisten Verbände im Gesundheitsbereich wurden wegen eines gesellschaftlichen Anliegens gegründet: Jemand wollte aufklären, Menschen wollten Hilfe für verletzliche Gruppen durchsetzen, Betroffene einander beistehen und Vieles mehr. Ich sehe in den Verbandsmitgliedern daher Menschen, die eine starke Haltung haben, einen gesellschaftlichen und politischen Auftrag verfolgen – und sei es nur im kleinen Rahmen. All das ist grundsätzlich guter „Stoff“ für Nachrichten.
  1. Sie wissen Bescheid
    In Verbänden versammeln sich Expertinnen und Experten, die fachlich sehr kompetent sind. Große Verbände führen zum Beispiel Studien durch und veröffentlichen sie. Und selbst in kleinen Verbänden sitzen Fachleute, die ihr Thema in vielerlei Hinsicht gut einordnen können (auch für Außenstehende). Sie kennen Trends und Entwicklungen und sind somit interessante Gesprächspartnerinnen zu aktuellen Anlässen.
  1. Sie bieten Redaktionen Arbeitsmaterial
    Journalistinnen und Journalisten arbeiten tatsächlich mit Pressemitteilungen, wenn sie für das Thema (zum Beispiel Gesundheitspolitik) zuständig sind. Warum ich da so sicher bin? In einer aktuellen Studie, dem State of the Media Report 2025, gaben 74,6 Prozent der befragten Journalist:innen an, mit Pressemitteilungen zu arbeiten – genauer: Die Pressemitteilung landete auf Platz 1 der nützlichsten Quellen, noch vor der Meinung von Branchenexperten, direkten Themenvorschlägen und den Meldungen der Nachrichtenagenturen!

    Da sage mir nochmal einer, Pressemitteilungen schreiben lohnt sich nicht. (Aus meiner eigenen Erfahrung als ehemalige Nachrichtenredakteurin weiß ich: selbst wenn eine Pressemitteilung nicht sofort aufgegriffen wird, landet sie womöglich in einem „Für später aufheben“-Ordner – auch das ist nützlich für Verbände.)
  1. Sie können ihre Meinung äußern
    Verbände können in einer Pressemitteilung Stellung zu aktuellen Entwicklungen beziehen. Das ist vorteilhaft, um schnell viele Medien zu erreichen. Mit etwas Glück ruft eine Redaktion spontan zurück und ein Interview kommt zustande. So werden Verbände bekannter und können ein größeres Publikum informieren.
  1. Sie sparen Geld für Werbung
    Eine Pressemitteilung zu schreiben und zu veröffentlichen ist ein Baustein von vielen, wenn es darum geht, öffentlich präsent zu sein. Allerdings ein wirkungsvoller und kostengünstiger. Denn Pressemitteilungen kosten im Vergleich zu Anzeigen wenig, bringen aber langfristig Aufmerksamkeit – sowohl intern als auch extern. Journalistinnen und Journalisten werden sich merken, wer ihnen immer wieder brauchbare Informationen schickt und bei Bedarf auf euch zurückkommen.

Warum viele Pressemitteilungen ins Leere laufen

Zugegeben, die Pressemitteilung hat kein sexy Image. Viele Texte werden schon in der Vorschau gelöscht, weil sie

  • trocken
  • reine Werbung
  • voller Fachsprache oder Geschwurbel sind.

(Oder weil sie bei der falschen Ansprechperson gelandet sind, aber das ist ein anderes Thema!)  

Dazu kommt es vor allem, wenn:

  • Das Thema zu intern formuliert ist
  • Kein klarer Nachrichtenwert im Fokus steht
  • Der Text zu viel abgestimmt statt zugespitzt wurde
  • Die Kernbotschaft unklar ist

Wie also könnt ihr es besser machen?

7 entscheidende Faktoren beim Schreiben einer Pressemitteilung

Wenn diese sieben Faktoren sitzen, steigt die Chance deutlich, dass Redaktionen euren Text ernst nehmen und weiterverarbeiten.

1. Relevanz

Relevanz heißt: Das Thema betrifft mehr als nur euren Verband. Es dockt an eine aktuelle Debatte, einen Mega-Trend oder Rahmenbedingungen an, die viele Menschen betreffen.

Beispiele aus dem Gesundheitsbereich:

  • Die Regierung plant, kleine Krankenhäuser im ländlichen Raum zu schließen und dafür große Kliniken zu Fachzentren auszubauen.
  • Zum Weltfrauentag wird wieder über den Gender Health Gap diskutiert.
  • Longevity wird als Trend breit besprochen – hier kann man Position beziehen.

Die Frage ist immer: Warum sollte das außerhalb eures Verbands jemanden interessieren? Wenn ihr darauf eine klare Antwort habt, stimmt der Nachrichtenwert.

2. Kernbotschaft

Eine Pressemitteilung braucht eine zentrale Aussage. Sie ist am besten zugespitzt, im Zweifel auch provokant.

Beispiele für eine klare Positionierung:

  • „Ein Sexkaufverbot nach dem Nordischen Modell verhindert Prostitution nicht, sondern treibt Sexworker in die Illegalität.“
  • „So, wie der Pflegebonus jetzt gestaltet ist, ist er tierisch ungerecht. Kein Arzt, keine Reinigungskraft, niemand aus dem OP oder aus der Notaufnahme bekommt diesen Bonus, dabei war jeder mit Corona konfrontiert.“
  • „Sex und Drogengebrauch gehören zur Realität in Gefängnissen, deshalb ist es unsere Aufgabe, auch dort für mehr Prävention und eine zeitgemäße, menschenwürdige Therapie zu sorgen.“

Solche Sätze geben Journalistinnen und Journalisten etwas, mit dem sie arbeiten können.

3. Verständliche Sprache

Fachsprache ist einer der häufigsten Stolpersteine. Abkürzungen und interne Begriffe werden oft eins zu eins übernommen, weil man selbst so selbstverständlich damit arbeitet.

Zum Beispiel:

  • MS (Multiple Sklerose)
  • ALS (Nervenerkrankung)
  • ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom)
  • CMD / Bruxismus (Zähneknirschen)
  • PrEP-Medikation (Präexpositionsprophylaxe)
  • Triage (Priorisierung medizinischer Hilfe)

Der Denkfehler: Alle wissen doch, was gemeint ist. Sorry, davon können wir nicht ausgehen. Wenn Begriffe nicht erklärt werden, springen Menschen ab – auch Journalist:innen.

4. Haltung

Eine Pressemitteilung darf und sollte Position beziehen. (Das gilt auch, wenn keine Sensation verkündet wird.)

Eine bloße Meinung bleibt individuell. Ein klar formulierter Standpunkt dagegen ordnet ein, bewertet Entwicklungen und macht deutlich, wofür euer Verband steht. Das schafft Wiedererkennungswert.

5. Starkes Zitat

Ein Zitat wird manchmal als schmückendes Beiwerk missverstanden. Dabei ist es Teil einer Argumentation. Es ordnet ein, fordert, kritisiert oder bewertet.

Ein gutes Zitat:

  • gibt eine wertende Aussage
  • kann für sich stehen
  • darf auch polarisieren

Idealerweise spricht eine Funktionsträgerin oder ein Funktionsträger – etwa die Geschäftsführerin oder der Vorsitzende. Das verleiht dem Text Gewicht und macht deutlich, wer Verantwortung übernimmt.

Das kann so aussehen:

  • „Digitalisierung, die mit der heißen Nadel gestrickt und verpflichtend in die Praxen gebracht wird, hemmt unsere Arbeit eher, als dass sie unterstützt.“
  • „Wir sind überwältigt von der großen Resonanz – jeder Wangenabstrich bedeutet eine Chance auf Heilung für Tim.“
  • „Matthias hat unsere Organisation nicht nur durch seine exzellente Expertise geprägt – er war und ist auch ein Freund mit großem Herzen, der für die Werte unseres Verbandes einsteht, wann immer es nötig ist.“
  • „Sollte sich herausstellen, dass die Verantwortlichen die Not des Mannes ignorierten, ist das ein Skandal und unterlassene Hilfeleistung mit Todesfolge.“
  • „Wer queer ist, muss sich sicher fühlen dürfen.“
  • „Im Knast muss man auf den Punkt kommen.“

5. Überprüfbare Fakten

Zahlen geben Orientierung. Sie müssen nachvollziehbar und überprüfbar sein (am besten online), idealerweise aus neutralen Quellen.

Drei gut gewählte, belastbare Zahlen reichen völlig aus. Mehr macht eine Pressemitteilung oft nur unübersichtlicher.

6. Formale Standards

Eine Pressemitteilung sollte in der Regel nicht länger als eine Seite sein. Sie braucht am Ende unbedingt Kontaktdaten für Rückfragen.

Dazu gehören:

  • vollständiger Name der Ansprechperson
  • Telefonnummer
  • E-Mail-Adresse

Klingt banal? Wird trotzdem erstaunlich oft vergessen (kann aber den Ausschlag geben, ob aus einer Mail vielleicht ein Interview wird).

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Presse­­mit­teil­ung schreiben leicht gemacht

Tipps zum Schreiben einer Pressemitteilung gibt es wie Sand am Meer. Wenn ihr mich fragt, geht ihr als Verband im Gesundheitswesen am besten diese 5 Schritte durch:

1. Prüft euer Thema auf Nachrichtenwert

  • Was ist der Anlass eurer Mitteilung?
  • Gibt es einen größeren Zusammenhang, in den ihr euer Thema einbetten könnt?
  • Habt ihr Studien dazu oder andere passende Zahlen aus Wissenschaft und Forschung vorliegen?
  • Gibt es eine öffentliche Diskussion, auf die ihr euch beziehen könnt?

Wenn ja, schreibt diese Sache zusammen mit eurem Anliegen an den Anfang des Textes.

2. Formuliert eure Kernbotschaft in zwei bis drei klaren Sätzen

  • Könnt ihr jemanden oder etwas loben oder kritisieren?
  • Seht ihr Grund zum (schnellen) Handeln bei einem Akteur oder einer Institution?
  • Droht eine schlimme Folge, wenn ein bestimmter Umstand nicht geändert wird?
  • Sind Hunderte Menschen erleichtert, wenn dieser Umstand endlich eintritt?
  • Was muss passieren?
  • An wen appelliert ihr?

Gerade im Gesundheitswesen passieren ständig neue Dinge. Es gibt Reformen, Forderungen, Missstände. Traut euch zu sagen, wie ihr im Verband diese Dinge seht.

3. Strukturiert euren Text nach journalistischer Logik

  • Wer?
  • Was?
  • Wann?
  • Wo?
  • Warum?

Zugegeben, das klingt ein bisschen platt. Von den berühmten 5-W-Fragen hat wohl jeder schon einmal gehört. Und doch hilft es, sich an diese simplen Fragen zu erinnern, denn sie sorgen für ein stabiles Grundgerüst eures Textes.

Was ich sagen will: Lasst Vorgeplänkel und blumige Beschreibungen weg. Konzentriert euch ganz auf eure Botschaft. Dann seid ihr nahe an der „Nachrichtensprache“, die Journalistinnen und Journalisten gerne verwenden.

4. Findet ein Zitat, das wertet

  • Was ärgert euch?
  • Was gehört endlich respektiert?
  • Was geht unter, verdient aber mehr Anerkennung?
  • Wie könnte etwas besser funktionieren?
  • Wer ist gefordert?

Ein gutes Zitat komprimiert eure Kernbotschaft zu einer gehaltvollen Aussage. Seid mutig und benennt klar, was Sache ist. Eine Pressemitteilung darf kontrovers sein.

5. Checkt euren Text auf Verständlichkeit

  • Verstehen nur Insider, wovon ihr sprecht? Dann „übersetzt“ eure Worte in Alltagssprache.
  • Ist der Text kurz genug? Eine Seite reicht völlig aus.
  • Habt ihr eine Ansprechperson für Rückfragen angegeben? Unbedingt mit mobiler Telefonnummer für schnelle Rückfragen.

Wenn zu viel Erklärung nötig ist, kann ein kurzer Hintergrundabsatz am Ende des Textes nützlich sein. Dieser Absatz kann eine Situation grob zusammenfassen, auf die ihr euch bezieht, zum Beispiel:

  • Was ist in Sachen Sterbehilfe in Deutschland erlaubt?
  • Was passiert bei der Pränataldiagnostik?
  • Was sind die häufigsten Herzerkrankungen?

Wenn ihr diese Schritte beachtet, könnt ihr mutig mit eurer Botschaft an die Öffentlichkeit gehen. Mein Extra-Tipp: Ein Absatz mit den wichtigsten Infos zu eurem Verband rundet das Erscheinungsbild auch optisch gut ab.

Und jetzt: Viel Erfolg beim Schreiben eurer Pressemitteilung!

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Über mich
Porträt von Karina Scholz als Autorin des Blogs Pressearbeit für Gesundheitsverbände
Karina Scholz

Karina Scholz zeigt Verbänden aus dem Bereich Gesundheit & Soziales, wie sie ihre Pressearbeit strategisch planen und einfach durchhalten.

Sie bringt 18 Jahre Medien­er­fahrung mit – als Nach­richten­redakteurin, freie Journalistin und Autorin im Corporate Publishing. Zu ihren Auf­trag­gebern zählen Gesundheits- und Sozialverbände auf Landes- und Bundes­ebene.

Auf diesem Blog schreibt sie über zeitgemäße Presse­arbeit und gibt Tipps, wie Verbände auf sich und ihre Themen aufmerksam machen können.

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